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Die "Pfarrer Strohmeyersammlung" – ein Naturalien- und Kuriositätenkabinett aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert

 

Als „Pfarrer Strohmeyersammlung“ wird ein Naturalien- und Kuriositätenkabinett verstanden, welches sich seit etwa 150 Jahren in Besitz der Pfarrgemeinde St. Trudpert befindet. Aufbewahrt in zwei Schränken sind dort zahlreiche Exponate zur Bergbau-, Siedlungs-, Sozial- und Naturgeschichte des Münstertales erhalten. Mit enormen Arbeitsaufwand wurde die Sammlung von der Heimatinitiative Münstertal e.V. 2010 erstmals gesichtet sowie ínventarisiert, 2019 umfassend grundgereinigt um abschließend einen Teil für die gezeigte Sonderausstellung vorzubereiten. Insgesamt wurden hierfür ca. 400 Arbeitsstunden aufgebracht.

 

Entstehung des Naturalien- und Kuriositätenkabinetts von St. Trudpert

 

Kuriositätenkabinette, aus denen später Wunderkammern hervorgingen, waren bedeutende und heute noch interessante Vorläufer des Museums. Wunderkammern, Kunstkammern oder Kunstkabinette der Spätrenaissance und des Barock gingen aus den früheren Raritäten- oder Kuriositätenkabinetten (Panoptika) hervor und bezeichnen ein Sammlungskonzept aus der Frühphase der Museumsgeschichte, das Objekte in ihrer unterschiedlichen Herkunft und Bestimmung gemeinsam präsentierte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Kunst- und Wunderkammern von den heute üblichen, spezialisierten Museen, besonders den Naturkundesammlungen mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch, abgelöst bzw. gingen zum Teil in diesen auf. Pfarrer Alois Baur, der ein Anhänger der Großherzoglichen Familie von Baden war, wusste um das umfangreiche großherzogliche Naturalien- und Kuriositätenkabinett, welches sich im Karlsruher Schloss befand. Durch seine geschichtlichen Studien der trudpertinischen Klosterarchivalien fand er zudem heraus, dass ein Teil des einstigen Kuriositätenkabinetts bzw. der Wunderkammer des benediktinischen Klosters St. Trudpert durch die Säkularisation an das Hause Baden gekommen war.

 

Anlehnend an die barocke Sammeltradition der Mönche von St. Trudpert fing Pfr. Alois Baur an, alles was ihm naturwissenschaftlich interessant oder einfach nur kurios bzw. besonders vorkam, in Schränken zu sammeln.

Bis 1864 wurde im Münstertal Bergbau auf Blei-, Kupfer- und Silbererze betrieben. Der letzte im Teufelsgrund angestellte „Bergbauphysikus“ G. Burkhart war mit Pfarrer Baur befreundet. Er schenkte ihm wiederholt Mineralien aus dem noch aktiven Bergbaubetrieb, welchen er in seiner Funktion als Bergbauphysiker betreute. Diese Mineralien aus den Schindler- und Teufelsgrunderzgängen, welche heute selten sind, bildeten den Grundstein der von Pfarrer Baur aufgebauten Sammlung.

 

Pfarrer Willibald Strohmeyer griff bei seinen Veröffentlichungen auf die geschichtlichen Forschungen und die Vorarbeit Pfr. Baurs zur Geschichte des Münstertals zurück. Ebenso führte er dessen Tradition des Sammelns fort. Unter seiner Regie wurde das das Naturalien- und Kuriositätenkabinett, auch mit Hilfe von Mitgliedern seiner Pfarrgemeinde, kontinuierlich erweitert. Im Volksmund bzw. bei den Münstertälern erhielt die Sammlung daher den Namen des beliebten Seelsorgers – die „Strohmeyersammlung“ war geboren.

 


Pfarrer Alois Baur (vorne Mitte sitzend) - der Begründer der Sammlung